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DMEXCO 2020: Europas größtes Tech-Event rein digital?

Autor

Katharina Stöck
Katharina Stöck

Eine der größten Messen für Digital Marketing fand mit der DMEXCO @home rein digital statt. Wie wurde das umgesetzt und wie vergleichbar ist der Besuch einer Online Messe mit dem einer Realen? 

Anfang Juli war es entschieden. Die DMEXCO wird in diesem Jahr rein digital stattfinden. Das Event mit 20.000 Besuchern, mehr als 800 Ausstellern und 160 Stunden Programm wurde zur DMEXCO @home umfunktioniert. Mit Mut zur Innovation und einer in nur drei Monaten entwickelten digitalen Plattform, auf der sich am 23. und 24. September mehr als 20.000 Besucher tummelten, haben die Veranstalter gezeigt, dass es funktioniert. 

Planmäßig, hybrid, digital

Die Entscheidung, das Event digital stattfinden zu lassen, ist den Veranstaltern nicht leicht gefallen. Nachdem sich viele Veranstalter am Anfang der Pandemie dafür entschieden hatten ihre Messe digital umzusetzen oder ganz ins nächste Jahr zu verschieben, war die Branche gespannt auf die Entscheidungen der Big Player. 

Philipp Westermeyer legte mit einer Absage der OMR vor. Unter dem Motto „better safe than sorry” sagte er die Messe schließlich ab. Die DMEXCO hingegen verkündete im April, dass sie planmäßig und unter besonderer Berücksichtigung eines Hygienekonzepts stattfinden soll.
Wirklich glauben konnten die Aussteller das zu dieser Zeit nicht – so wurde im Lauf der Zeit aus einem Vor-Ort-Event im April, ein hybrides Modell im Juni, bis dann schließlich doch die Entscheidung fiel: Es wird ein rein digitales Event. 
Gründe dafür seien vor allem die Bedenken der Aussteller, ein solches Format ohne Gefährdung der Mitarbeiter umsetzen zu können. Zudem wurde die Homeoffice-Regelung bei Giganten wie Google und Facebook verlängert und Reisen beschränkt.

Die Kommunikation seitens DMEXCO glich einer Achterbahnfahrt der Gefühle und hat sicherlich nicht nur den Veranstaltern, sondern auch den Ausstellern einige Nerven gekostet. 
Am Tag des Events war von der Hin- und Hergerissenheit und dem schwierigen Entscheidungsweg allerdings nichts mehr zu spüren. 

 

Wie war die DMEXCO @ home aufgebaut?

Das Herzstück der DMEXCO@home war eine Plattform, die aus den unterschiedlichen Bereichen, die auch auf einer physischen Messe zu finden sind, zusammengesetzt. So gab es auf der linken Seite einen Reiter zur Navigation in dem die Lobby, ein Virtual Café, ein Showroom (für die Ausstellung), mehrere Studios und Räume für Vorträge und Workshops, aufgeführt waren. Auch das Netzwerken und damit der wichtigste Faktor, hat auf der Plattform seinen Platz gefunden: Unter dem Reiter Networking, konnte man Personen in seiner Nähe sehen und per Chat kontaktieren. 

Auf der Startseite war es möglich schnell zwischen den einzelnen „Räumen” hin und her zu wechseln. Passend zum Start der Messe wurde diese Plattform für alle Teilnehmer freigeschaltet. 

 
Screenshot der DMEXCO @home Plattform – Navigationsstruktur

Das digitale Besuchererlebnis

Wie hat es sich angefühlt ein Besucher der DMEXCO @home zu sein? Als digitaler Besucher konnte man sich schnell orientieren und spannende Vorträge in seinem Programm abspeichern. Die Kalenderfunktion hat dem Besucher eine Übersicht über die gespeicherten Termine gegeben, den man unter dem Reiter „MY DMEXCO” jeder Zeit einsehen konnte. Die Handhabung der Plattform funktionierte intuitiv und auch die Verbindung lief meistens einwandfrei. 
Die Herausforderung lag vielmehr darin, den Büroalltag nebenher zu gestalten und während einer Session nicht gestört, oder von Benachrichtigungen und Aufgaben abgelenkt zu werden. Das ist wohl einer der größten Nachteile des Besuches einer digitalen Messe. Physisch nicht vor der Bühne, sondern in seinem Bürostuhl zu sitzen. 

Das Programm war mit 160 Stunden Unterhaltung gut mit namhaften Speakern wie David Fischer, Chief Revenue Officer bei Facebook, Jason Spero, VP Perfomance Media bei Google und Alicia Tillman, Chief Marketing Officer bei SAP gefüllt. 

Der Showfloor hingegen wirkte im Vergleich zu den vielen Speaker-Sessions eher weniger aufregend. Hier konnte man durch klicken auf Unternehmens-Banner, verschiedene Aussteller „besuchen”. Jeder Aussteller hatte ein Profil, mit den wichtigsten Daten, Links und verschiedenen Medien angelegt, die man sich als Besucher anschauen oder herunterladen konnte. Um mit den Ausstellern direkt in Kontakt zu treten musste allerdings erst ein Termin vereinbart werden, sodass sich spontane Gespräche nicht wirklich ergeben haben.

Leider wurde beim Aufrufen der verschiedenen Aussteller nicht wirklich deutlich ab wann man seine Kontaktdaten hinterlässt und ob man in Folge mit vielen Werbemails rechnen muss. An dieser Stelle fehlte Transparenz für die Datensicherheit. Wer die Geduld aufgebracht hat, sich auf der Suche nach Inspiration längere Zeit durch den Showfloor zu klicken, ist vermutliche nicht fündig geworden, da es eher dem Surfen im Internet glich, als dem Besuch einer echten Ausstellung. 

 

Screenshot der DMECO @home Plattform – Showfloor

Was gut funktioniert hat und was nicht – ein Fazit

Für mich hat das digitale Besuchererlebnis zumindest auf der Vortrags-Ebene gut funktioniert. Kurze inspirierende Sessions von den digitalen Denkern und Machern der Welt haben Wissen vermittelt und inspiriert. Auch, wenn die ein oder andere Session aus meiner Sicht gerne länger angesetzt werden könnte.

Den Besuch eines imposanten Standes, die damit verbundene Inspiration, die man auf einer Messe findet, ist schwer mit der digitalen Version des Showfloors zu vergleichen. Es war schwieriger mit den Ausstellern in Kontakt zu treten, die Hürde jemanden anzuschreiben höher, als jemanden anzusprechen. Für unbekannte Marken auf dem Showfloor zu überzeugen, war fast unmöglich. 

Denn worin wir uns einig sind, was uns eine digitale Messe nicht geben kann, ist das Erlebnis. Die Reise zum Messegelände, eine Stadt im Ausnahmezustand, die gespannte Atmosphäre in der Ausstellung mit atemberaubenden Ständen, kreativen Goodie Bags und vor allem die Begegnungen von Menschen. 

Vielleicht ist es nur eine Sache der Gewöhnung, denn vielleicht müssen wir selbst erst noch lernen wie man sich richtig auf einer digitalen Messe verhält. Aber so sehr die Innovationen im Bereich der digitalen Events wünschenswert sind, desto weniger möchte ich physische Events missen. 

Was aber feststeht, ist die außergewöhnliche Leistung der Veranstalter. Auch wenn man ihnen die verworrene Kommunikation zum Start und zur Art der DMEXCO anlasten kann, gebührt den Veranstaltern mein voller Respekt. Was sie in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben ist einzigartig. Sie haben Mut zur Innovation bewiesen und sich nicht gescheut die Herausforderung anzunehmen. Ich bin gespannt auf die Entwicklung und weiteren Events im digitalen Stil. Denn eins ist klar, eine Menge Vorteile bringt das Format mit sich. 

 

Pro und Contra im Überblick

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Danke für die Beitrag Katharina. DMEXCO@home war interessant und ziemlich professionell ausgesetzt von das Orga Team (Respekt dafür..). Ich fand es nicht so schön das wir während einer Präsentation immer wieder von „externe“ Anbieter Nachrichten bekommen, um zusammenzuarbeiten.

    • Katharina Stöck

      Hallo Frank, da kann ich dir leider nur zustimmen, vielen Dank für deine Ergänzung.


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