Erobert Werbung bald die Windschutzscheibe?

Kategorie: CEO Blog

Wie Autobauer und Technologieunternehmen Werbung ins Auto bringen wollen

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in Ihrem smarten Auto auf der Landstraße und Ihr Benzin neigt sich dem Ende. Auf Ihrer Windschutzscheibe öffnet sich eine Benachrichtigung und informiert Sie, dass Sie demnächst tanken müssen und bietet an, eine Tankstelle in der Nähe zu finden. Als nächstes erhalten Sie ein Angebot für einen Gratis-Kaffee, wenn Sie eine bestimmte Tankstelle ansteuern. Diese Anzeige stammt vom dortigen Betreiber und ist auf Ihre bekannten Kaufgewohnheiten abgestimmt.

Geht es nach den Autobauern und Technologieunternehmen ist dieses Szenario bald keine Zukunftsmusik mehr. Auf der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas Anfang dieses Jahres wurden erste Konzepte vorgestellt.

Connected Cars, vernetze Autos, bieten Werbetreibenden neue Sales-Grundlagen. Es liegt nahe, dass für Angebote auch die Windschutzscheibe eingesetzt wird, denn sie liegt im unmittelbaren Blickfeld des Fahrers. Nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey und Co. werden bis 2030 Mobile und Data-Driven-Services in Autos 1,5 Billionen US-Dollar generieren. Fahrern und Mitfahrern Informationen mittels Augmented Reality im Sichtfeld einzublenden, wird sicherlich einen Teil hierzu beitragen.

Die Autoscheibe wird zur Billboard

Ein erster Schritt hin zu dieser Entwicklung sind smarte Windschutzscheiben, die diese Vision ermöglichen. Das US-amerikanische Unternehmen Corning hat beispielsweise ein langlebiges und dünnes Glas entwickelt auf das jedes Bild projiziert werden kann. Dieses Glas soll in weniger als zwei Jahren auch für Windschutzscheiben eingesetzt werden, wie das Unternehmen auf der CES ankündigte. Die Autoscheibe wird damit zur Billboard und steht aktuell im Mittelpunkt der Bemühungen von Autobauern und Tech-Unternehmen, die Vernetzung des Autos voranzutreiben.

Noch steht die Entwicklung am Anfang. In Las Vegas wurden allerdings zahlreiche Deals und Partnerschaften verkündet, die es mit Software, Spracherkennung und Cloud Computing ermöglichen wollen, alles automatisch vom Auto aus zu erledigen. Autobauer wie BMW, Hyundai Motor und Toyota bieten inzwischen in einigen Modellen bereits erste Basic-Displays nahe der Windschutzscheibe an, die neben Informationen wie der Fahrgeschwindigkeit auch interessante Orte wie Sehenswürdigkeiten und Restaurants in der Nähe anzeigen. Auch Kartenmaterial und Staumeldungen sind denkbar. Eben all das, was der Fahrer schon von Navigationsgeräten her kennt. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, diese beiden Elemente – die Informationen und die Windschutzscheibe – zusammenzubringen. Solche Cockpit-Konzepte lassen nicht mehr lange auf sich warten.

Neben all diesen Vorteilen, die die Technologie den Fahrern aber auch den Werbetreibenden bieten will, äußern Skeptiker Sicherheitsbedenken, weil der Fahrer von solchen Einblendungen möglicherweise zu stark abgelenkt werden könnte. Anbieter hingegen vermarkten ihre Technologie als „Safety Tool“, das essentielle Informationen wie die Geschwindigkeit anzeigt, ohne dass der Fahrer seinen Blick von der Straße wenden muss.

Selbstfahrende Autos eröffnen eine neue Dimension

Das Connected Car wird nur der Anfang sein, längst tüfteln Unternehmen wie Apple und Google am selbstfahrenden Auto. Haben diese Fahrzeuge erst einmal Marktreife erreicht, werden sich noch ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Denn wenn der Fahrer nicht mehr selbst am Steuer sitzt, hat er Zeit für andere Dinge. Video-Content könnte eingeblendet werden, umfassendes Kartenmaterial zur Umgebung oder Service-Angebote. In einigen Jahren werden Szenarien wie das anfangs genannte Gedankenspiel zum Alltag gehören und sind doch erst der Beginn einer neuen Beziehung zwischen Auto und Mensch.

+++
Die PR-Agentur Frau Wenk führt aktuell eine Blogparade zur „Zukunft der Werbung“ durch. Hinterfragt wird unter anderem, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Marke verändert wird und welche Rolle neue Technologien dabei spielen. Mit diesem Beitrag möchten wir unseren Teil dazu beitragen.