iBeacons: Apples Lokalisierungs-Technologie verbindet stationären Handel und Online Marketing

Kategorie: Technologie

Das kleine “i” am Anfang verrät den Namensgeber von iBeacons: das Unternehmen Apple. Die Technologie basiert jedoch auf dem neuesten Bluetooth Standard und dieser kann unabhängig vom Hardware-Hersteller von nahezu allen modernen Smartphones oder Tablets verwendet werden.

Dieser Beitrag beschreibt die Technologie, spannende Einsatzmöglichkeiten, sowie die Herausforderungen bei der Verwendung von iBeacons.

Technologie: Bluetooth 4.0 als das Mikro-GPS

iBeacon ist eine Schutzmarke von Apple und bezeichnet einen Lokalisierungs-Dienst für lokal begrenzte Areale, der im Gegensatz zu GPS auch innerhalb von geschlossenen Gebäuden funktioniert. Auch für die Sender der Technologie, die häufig nicht viel Größer als eine zwei Euro Münze sind, wird häufig der Begriff iBeacon verwendet. Die Technologie basiert auf Bluetooth Low Energy (BLE), das Teil der Bluetooth 4.0 Spezifikation ist. iBeacon gibt dabei lediglich das Protokoll, also die Information die übertragen wird, vor. Daher ist die Technologie auch mit Endgeräten von anderen Herstellern problemlos nutzbar. Einzige Herausforderung ist die Unterstützung von Bluetooth 4.0. BLE ermöglicht eine sehr energiesparende Signalübertragung. iBeacon Sender kommen daher meist mit einer Knopfzellenbatterie aus deren Ladung für mehrere Monate ausreichend sein kann.

iBeacon der Firma estimote

iBeacon der Firma estimote
Bildquelle: blog.estimote.com/

Genau wie bei der satellitenbasierten Lokalisierungs-Technologie GPS empfängt ein mobiles Endgerät zunächst Signale, berechnet ggf. die eigene Position und führt daraufhin Aktionen aus. Bei iBeacons sind dies Bluetooth 4.0 Signale, die eine Reichweite von Maximal 20 bis 30 Metern haben.

Der Begriff Beacon kommt aus dem Englischen und bedeutet Leuchtfeuer oder auch Leuchtturm. Genau wie ein Leuchtturm sendet ein iBeacon lediglich Signale aus, kann aber keine Empfangen. Empfängt nun ein mobiles Endgerät ein solches Signal werden zunächst die darin übertragenen Daten ausgelesen, die dieses Beacon identifizieren. Daraufhin wird eine festgelegte Aktion durchgeführt. Welche Aktion dies ist kann entweder fest in eine App einprogrammiert sein, oder dynamisch über das Internet erfragt werden.

iBeacon-App-Kommunikation über einen App-Server

iBeacon-App-Kommunikation über einen App-Server

 

Zusätzlich kann ein mobiles Endgerät auf Basis von Signalstärke und der Akkuladung des Beacons grob berechnen, wie weit entfernt sich ein Beacon befindet. Werden die Signale von mehreren iBeacons empfangen, so kann analog zur GPS-Technologie auf Basis eines Triangulierungsalgorithmus die Position des mobilen Endgerätes im Raum berechnet werden.

Anwendungsgebiete für iBeacons

Wie bereits beschrieben ermöglicht die iBeacon Technologie eine Lokalisierung von mobilen Geräten auch in geschlossenen Räumen. Es bieten bereits zahlreiche Unternehmen individuelle Hard- und Softwarelösungen für eine Indoor-Navigation an, beispielsweise das Unternehmen infsoft (www.infsoft.de) aus Großmehring. Wird zusätzliche Sensorik eines Endgerätes verwendet, beispielsweise Lagesensoren oder auch WLAN Empfänger, so kann die Genauigkeit der Positionsbestimmung und somit Navigation weiter verbessert werden.

Indoor-Navigation von infsoft.

Indoor-Navigation von infsoft.
Bildquelle: www.infsoft.de

Viele Apps bestimmen erst gar nicht die genaue Position eines Anwenders, sondern reagieren, sobald ein Anwender in die Sendereichweite eines iBeacons gelangt. Hier können Push-Nachrichten gesendet oder bestimmte Inhalte zugänglich gemacht werden (Content Delivery). Der Digitale Magazin Publisher Exact Editions (www.exacteditions.com) ermöglicht beispielsweise den Zugriff auf Ausgaben seiner Magazine an bestimmten Orten. Dies dürfte interessant sein für Cafés, Restaurants, Friseure, Arztpraxen oder andere Lokalitäten, an denen heute noch gedruckte Exemplare von Zeitungen oder Magazinen ausliegen.

Auch für das Forschungsgebiet Smart Homes sind iBeacons von Interesse. So können beispielsweise innerhalb der eigenen Wohnung Aktionen wie das Ein- oder Ausschalten des Lichtes veranlasst werden, sobald die Position des Anwenders sich verändert. Dies ermöglicht beispielsweise die App Geofancy (http://geofancy.com).

Weitere vielversprechende Anwendungsfälle sind Events und Reisen. Die Identifizierung durch iBeacon-Technologie kann Eintritts- und Fahrkarten ersetzen und dadurch Zeit und Aufwand beim Einkauf und beim Einlass bzw. Fahrtantritt sparen. Benutzt der Besucher einer Veranstaltung bereits die iBeacon Technologie für den Eintritt, so kann er auch während seines Besuches abhängig von seiner aktuellen Position über für ihn relevante Informationen benachrichtigt werden. Dies plant beispielsweise die amerikanische Baseball-Liga in den Stadien zu realisieren.

Verbindung von stationärem Handel und Online Marketing durch iBeacons

Für den stationären Handel ergibt sich durch iBeacons die Möglichkeit zur Verbindung mit der online Welt. Dem Kunden eines Ladengeschäftes bietet sich der Mehrwert, dass er – sobald in Reichweite – auf aktuelle Angebote, Gutscheine oder wichtige Details zu Produkten hingewiesen werden kann. Diese Hinweise können dabei individuell auf Käuferprofile zugeschnitten ausgespielt werden. Auch der Bezahlprozess kann letztlich über die iBeacon-Technologie initiiert werden.

Für den Händler ergeben sich außerdem wichtige statistische Daten aus der Benutzung seiner App. Welche Produkte sind interessant für die Kunden, welche Abteilungen in seinem Geschäft werden gut besucht und welche weniger. Aus diesen Daten können wichtige Schlüsse gezogen und Entscheidungen getroffen werden. Im Nachgang an einen Kaufprozess können einem Kunden weitere interessante Angebote per Email oder Push-Nachricht auf sein mobiles Endgerät übertragen werden.

Shopkick – iBeacon Einsatz im stationären Handel

 

Herausforderungen und Alternativen

Die größte Herausforderung bei der Technologie iBeacon ist die Akzeptanz und Transparenz beim Anwender. Aktuelle Geräte und Apps verlangen in der Regel die Installation einer speziellen App, anschließend das manuelle Aktivieren von Bluetooth und die Vergabe von Berechtigungen. Dieser Prozess ist zeitaufwändig und kann nur dann Akzeptanz beim Anwender erzeugen, wenn der sich ergebende Mehrwert durch die Verwendung ausreichend groß ist. Auch klare Aussagen, wie mit erhobenen Daten verfahren wird ist ein klares Muss für erfolgreiche Anwendungen.

Problematisch ist aktuell noch die Geräteabdeckung, da die Hardware von älteren Smartphone-Modellen den Bluetooth 4.0 Standard oft nicht unterstützt. Für viele Anwendungsfälle reicht darüber hinaus häufig eine einfachere Alternativtechnologie aus. QR Codes, NFC / RFID oder die Ortung über WLAN sind hier nur einige der wichtigsten Konkurrenztechnologien von iBeacons.

Fazit

Der von Apple entwickelte iBeacon-Standard ermöglicht zahlreiche neue Anwendungen, insbesondere Aufgrund der Möglichkeit der lokalen Positionsbestimmung unabhängig von GPS. Viele Start-Ups entwickeln aktuell Anwendungen für diese Technologie, die von allen aktuellen Mobilgeräten technisch unterstützt wird. Für den stationären Handel ergibt sich die Möglichkeit der Verbindung zur online Welt.

Abzuwarten bleibt, wie die Akzeptanz der Anwender sich entwickelt, da der manuell zu betreibende Nutzungsaufwand noch groß ist und nicht immer einem ausreichend großem Mehrwert gegenübersteht. Auch Sicherheits- und Datenschutzaspekte gilt es bei der Verwendung von iBeacons zu Berücksichtigen. Dies ist umso wichtiger, je sensibler der Anwendungsfall wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Apple mit seinem iPhone 6 erstmals auf die Technologie NFC für mobiles Bezahlen setzt, gänzlich unabhängig von iBeacons.