„Ich bin eigentlich ein Supernerd, aber das muss man ja nicht sehen.”

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Kategorie: Technologie

Der Commodore 64 war eine Sensation: Der sogenannte Heimcomputer ist im Jahr 1982 auf den deutschen Markt gekommen und war vor allem als Spielcomputer oder in der Softwareentwicklung im Einsatz. Er verkaufte sich um die 17 Millionen Mal und wurde zum meistverkauften Heimcomputer weltweit. Der Computer erster Stunde ist aus heutiger Sicht ein Relikt. Aber genau das begeistert Daniel Ortiz Tag für Tag aufs Neue.

Alles, was er macht, macht er intensiv, sagt Daniel. Vor mittlerweile mehr als 35 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Computer. Und vor allem fürs Programmieren von Spielen. Diese Passion lebt er heute noch: Auf Daniel Ortiz` Dachboden finden sich technologische Schätze aus vergangenen Zeiten. Verschiedene Computer und Spielekonsolen aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren lagern dort. Nicht nur zum Anschauen, auch zum Tüfteln. Dabei geht es dem Computerliebhaber um Ursprünglichkeit: „Wenn du an einem alten Atari oder Commodore 64 sitzt, dann ist das, als hättest du ein altes Auto, einen Oldtimer vor dir stehen”, sagt Daniel. „Diese Geräte besitzen so viel Ursprüngliches, im Gegensatz zu modernen PCs und Notebooks. Du siehst den Motor des Gerätes, man kann direkt nachvollziehen, wie der Computer funktioniert“, erklärt er. Seine Leidenschaft für die ersten Heimcomputer dieser Welt, die längst nicht mehr hergestellt werden und selbst Digital Pioneers kaum mehr besitzen, ist spürbar. Erste Sorten von Spielekonsolen, Computer der Marke Atari und Commodore, gehören in seine Sammlung, die er auf seinem Dachboden in seinem Haus in Osnabrück-Voxtrup aufbewahrt. Aber sie sind nicht nur Zierde. Sie sind „Hobby, Leidenschaft und Berufung“ zugleich, so Daniel.

Wenn die Großmutter einen Wunsch erfüllt …

Im Alter von zehn Jahren wurde Daniel das erste Mal stolzer Besitzer eines Computers: „Meine Oma hat mir meinen großen Wunsch erfüllt und mir einen Commodore 64 geschenkt”, sagt er. „Die waren damals ganz schön teuer. Ich habe noch die Rechnung von Hertie: 1200 DM”, fügt er hinzu. Mit diesem Heimcomputer hat er seine ersten Fingerübungen als Spiele-Programmierer gemacht. Das Besondere: „Auf diesen Computern wurde einfach nichts gespeichert, das heißt, man hat programmiert, stundenlang, und am Ende war alles weg. Wenn man das Gerät aus gemacht hat, dann fing man von vorne an.” Wenn gespeichert wurde, dann extern, auf einer Datasette, zum Beispiel. Datasette – auch ein Wort vergangener Zeiten.

„Wie eine Eisskulptur in der Sahara"

Daniel Ortiz spricht voller Lebendigkeit und Leidenschaft von Ursprünglichkeit, dem Verstehen, Tüfteln und Ausprobieren des Programmierens. Das hat er sich bei seiner heutigen Tätigkeit als Head of Technology bei MSO Digital bewahrt. Denn er kennt die Grundlagen, die Basis seines Jobs. „Damals habe ich stundenlang am PC gesessen, um zum Beispiel Computerspiele zu gestalten. Man musste sich fokussieren, Geduld haben, damals ging das nicht so schnell wie heute. Das Programmieren hat manchmal echt lange gedauert, der PC lief heiß, sodass ich ihn mit Kühlakkus gekühlt habe”, sagt er und schmunzelt. Dabei zieht er einen Vergleich: „Das Programmieren ohne Speicher ist in etwa so, als würde man eine Eisskulptur in der Sahara aufbewahren. Das funktioniert einfach nicht.” Diese Schwierigkeit habe seiner Freude an PC-Spielen aber keinen Abbruch getan: „Ich wollte etwas kreieren, das andere Menschen einfach fesselt.“ Das sei sein Hobby gewesen, was ihn oft nach der Schule bis spät in die Nacht beschäftigt hat. „Gefühlt waren es jedoch nur 20 Minuten“, sagt Daniel und grinst.

Digitale Kunstwerke erschaffen

Wie ein PC im Inneren funktioniert, weiß Daniel auch heute. Was der PC dem Menschen bringen kann, auch. „Ich sehe ein Programm, das ich entwickle, als Werkzeug an, das ist ein langer kreativer Prozess. Die Arbeit als Programmierer ist also nicht langweilig, sondern höchst kreativ.” Außerdem werde für diesen Beruf ein Verständnis für Ästhetik benötigt, für Softwareästhetik, wie er voller Begeisterung erklärt. Und dieses Verständnis hat er sich mit dem C64 schon als Jugendlicher angeeignet: „Damals war ich in der sogenannten Demoszene aktiv. Das heißt, ich habe in Echtzeit digitale Kunstwerke programmiert, bestehend aus verschiedenen Schriften, Grafiken, Farben und Musik. Wie ein kleines Video sah das aus, das aber nicht gefilmt, sondern mühevoll programmiert wurde”, sagt er. Er erinnert sich: „Da gab es richtige Szene-Zusammentreffen und Wettbewerbe. So habe ich gemerkt, dass ich mit meiner Leidenschaft nicht alleine bin.” Und sein Berufswunsch sei in dieser Zeit ebenfalls gesetzt gewesen: Softwareproduktentwickler.

Vom Datenverarbeitungskaufmann zu Nintendo Game Boy

Seine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte Daniel bei einer IT-Firma in Osnabrück. Dort erlernte er den Beruf des Datenverarbeitungskaufmanns. „Diesen Job gibt es in der Form heute nicht mehr”, sagt er schmunzelnd. In seiner Freizeit widmete sich der damals Anfang 20-Jährige weiterhin seiner Passion: dem Programmieren von Computerspielen. Aber nicht mehr nur für sich und seine Freunde, sondern für bekannte Videospielhersteller. Der 46-Jährige hat unter anderem Spiele für die Plattform Nintendo Game Boy mitentwickelt. „Beim Ottifantenspiel war ich Teil des Teams”, sagt Daniel. „Darauf bin ich stolz.”
Mittlerweile ist Daniel bei dem Osnabrücker Online-Marketing-Spezialisten MSO Digital für Programme zuständig, die über Werbung im Internet Umsatz für den Plattformbetreiber generieren. Computerspiele liegen ihm trotzdem noch am Herzen. In seiner Freizeit.

„Ich persönlich stehe am meisten auf Actionspiele, wo es schnell gehen und ich nicht erst nachdenken muss”, sagt er. „Ich bin eigentlich ein Supernerd, aber das muss man ja nicht unbedingt sofort sehen”, ergänzt der Familienvater mit einem Grinsen im Gesicht. Entgegen aller Klischees braucht Ortiz nicht rund um die Uhr technologische Geräte an seiner Seite: „Ich verbringe gerne viel Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter. Ich lebe alles, was ich tue, sehr intensiv. Auf einem Spaziergang durch eine wunderschöne Landschaft brauche ich kein Handy, beim gemeinsamen Essen mit meiner Frau genieße ich das Gericht. Und dann ist irgendwann wieder Alltag und Zeit für Computer.”

Ein Fundstück, das in der Sammlung noch fehlt …

Neben moderner Technik, die Daniel im Arbeitsleben besitzt und bedient, gehört sein Herz nach wie vor den alten Liebhaberstücken wie dem Commodore, Atari und Co. Seine Sammlung auf dem Dachboden wächst und weckt in ihm immer wieder kindliche Begeisterung. „Ich gucke mich auf verschiedenen Plattformen immer nach alten Schätzen um”, sagt er. Was den Jungen von damals und den Computerexperten von heute glücklich machen würde, wäre ein besonderes Fundstück: ein original Space-Invaders-Automat. Das ist ein Videospielautomat, der 1978 auf den Markt kam. „Voll funktionstüchtig sind diese leider selten zu bekommen“, sagt Daniel und erklärt seine Sehnsucht: „Damals war eine Spielhalle nicht nur mit Glücksspielautomaten ausgestattet, sondern vor allem auch mit Videospielen. Das war das erste Spiel, das ich gesehen und mit Leidenschaft gespielt habe. Damals gab es noch keine Computer, die schnell genug waren, Farbgrafik anzuzeigen oder in Echtzeit zu bewegen. Die Kreativität, das Gerät mit Farbdarstellungen auszustatten, fand ich bemerkenswert.” Dass Daniel Technologie liebt, spürt man in jedem seiner Worte – noch heute.

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