Usability-Tests: Mit diesen 10 Methoden holen Sie mehr aus Ihrer Website raus

Kategorie: Online Marketing, SEO

Wer eine Website oder einen Online-Shop betreibt oder ein Produkt entwickelt, sollte sich regelmäßig damit auseinandersetzen, wie nutzerfreundlich diese sind. Das Nutzungserlebnis kann mit Hilfe verschiedener Testmethoden überprüft werden, um mögliche Schwachstellen in der Usability auszuräumen. Ein Überblick über Testmethoden, deren Auswertung und mögliche Schlüsse.

1. Was ist Usability?

Usability beschreibt die Nutzbarkeit eines Produkts oder Dienstes. Gute Usability heißt, dass ein Nutzer schnell und einfach das gewünschte Ergebnis erreicht. Usability ist zugleich ein sehr wichtiger Teilaspekt der User Experience (UX), im Deutschen: Nutzererfahrung. Diese beschreibt alle Bereiche der Erfahrung eines Nutzers mit einem Produkt oder Dienst vor, während und nach der Interaktion.

Eine gute Usability ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für digitale Geschäftsmodelle, vor allem im E-Commerce-Bereich. Je einfacher und intuitiver Nutzer eine Website oder Anwendung bedienen können, desto besser ist die Usability – und desto erfolgreicher das Geschäft.

2. So funktioniert Usability-Testing

Um Websites und Anwendungen so nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten, müssen die Betreiber erfahren, welche potenziellen Schwachstellen in puncto Usability diese aufweisen.

Stabilität der Website oder Ladegeschwindigkeit können Website-Betreiber relativ einfach selbst messen. Anders sieht es jedoch bei der Frage aus, inwieweit die einzelnen Elemente einer Anwendung oder Website intuitiv nutzbar sind. Website-Betreiber und Mitarbeiter des Unternehmens kennen vielleicht jedes einzelne Element, etwa Buttons oder die Navigation. Wo befindet sich die Suche, wo die Login-Möglichkeit? Für Eingeweihte sind solche Fragen einfach zu beantworten. Nutzer, die eine Website zum ersten Mal besuchen, könnten sich aber mit der einen oder anderen Möglichkeit schwertun und die Seite frustriert wieder verlassen.

Usability-Tests helfen, solche Frustrationsmomente und damit Kaufabbrüche zu vermeiden. Bei einer Form dieser Tests lösen Testpersonen eine bestimmte Aufgabe auf der Website oder in der Anwendung, wie etwa ein bestimmtes Produkt zu suchen, auszuwählen oder zu kaufen. Dabei können die Tester „laut denken“ und dadurch auf Stolpersteine hinweisen. Außerdem lernen Unternehmen so die Erwartungshaltung der Nutzer beim Besuch der Website besser kennen.

Behebung kleinerer Bedienungsprobleme kann großen Erfolg bringen

Bei der oben erwähnten sogenannten Think-aloud-Methode, einer von zahlreichen Testmöglichkeiten, werden sowohl Bildschirminhalt samt Mausbewegung sowie die Stimme des Testers aufgezeichnet und stehen für eine spätere Auswertung zur Verfügung. Website-Betreiber werden dadurch in vielen Fällen auf kleinere Probleme bei der Bedienung durch den Nutzer aufmerksam. Oft kann die Behebung solcher Unklarheiten, die zunächst unwichtig erscheinen, eine deutliche Steigerung des Website-Erfolgs bringen.

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3. Diese Usability-Testmethoden können Sie verwenden

Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Usability-Testmethoden, die sich je nach Budget, Vorkenntnissen und Erwartungen anbieten. Auch eine Kombination der Usability-Testvarianten ist möglich. Das sind die zehn wichtigsten Methoden für Usability-Tests.

Card Sorting

Card-Sorting-Tests werden meist zu Beginn der konzeptionellen Phase eines Webprojektes durchgeführt. Bei dem Test geht es darum herauszufinden, wie die geplanten Inhalte so nutzerfreundlich wie möglich strukturiert und Hauptrubriken für den Nutzer verständlich benannt werden können. Im Rahmen des Tests erhalten Nutzer Kärtchen mit Begriffen – z. B. den Unterkategorien –, die sie zu Gruppen zusammenfassen. Beim offenen Card-Sorting bilden Nutzer eigene Kategorien, bei der geschlossenen Variante sind die Kategorien-Begriffe vorgegeben. Möglich ist es zudem, vor dem Sortieren die Verständlichkeit der Begriffe abzufragen, also eine Wording-Analyse durchzuführen. Dadurch lassen sich schon im Vorfeld Unklarheiten von Begrifflichkeiten oder unverständliche Fachtermini vorbeugen.

Personas

Usability-Tests mit Personas können zu Beginn eines Projekts durchgeführt werden oder wenn die Website schon online ist. Dabei werden idealtypische Nutzermodelle, die Personas, erstellt, die als Schablone für potenzielle Käufer eines Produkts oder Besucher einer Website angenommen werden. Mithilfe der vorgestellten „typischen“ Nutzer der Website können Entwickler Fragen beantworten wie: Mit welcher Absicht kommt ein Besucher auf die Website? Wie nutzt der Besucher die Website? Welche Funktionen oder Services wünscht sich ein Nutzer? Die Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen ermöglicht eine Optimierung der Seite in Hinblick auf die Zielgruppe.

Tagebuchstudie

Ebenfalls in allen Phasen der Entwicklung und des Bestehens einer Website, Anwendung oder eines Produkts können Nutzertagebücher neue Erkenntnisse für die Optimierung der Nutzerfreundlichkeit bringen. Dabei legen Nutzer ihre Erfahrungen im Umgang mit einer Webseite oder einem Produkt in Form eines Tagebuchs dar. Website-Betreiber oder Produkthersteller können so besondere Herausforderungen für die Nutzer über einen längeren Zeitraum der Nutzung hinweg erkennen.

Kontextuelle Interviews

Kontextuelle Interviews ermöglichen es Website-Betreibern und Herstellern, realitätsnahe Ergebnisse darüber zu erhalten, wie der Anwender in seiner vertrauten Umgebung reagiert. Anhand strukturierter Tiefeninterviews werden Nutzer befragt und die Aufgabenbewältigung studiert. Dabei lässt sich beispielsweise erkennen, welchen Einfluss etwa die Arbeitsumgebung (laute Kollegen) oder räumliche Verhältnisse (Licht, Schmutz) auf die Nutzung einer Anwendung oder eines Produkts haben. Das wäre bei Labortests nicht möglich.

Synchrone/Asynchrone Usability-Tests

Bei synchronen Tests wird das Vorgehen von Nutzern unter aktiver Beteiligung oder passiver Beobachtung eines Testleiters beobachtet – und gegebenenfalls hinterfragt. Asynchrone Usability-Tests nutzen spezielle Softwaretools und machen so eine automatisierte und ortsungebundene Bewertung einer Website durch Testpersonen möglich. Gesammelt und ausgewertet werden dabei Mausklicks und die gewählten Navigationspfade beim Erledigen bestimmter Aufgaben auf einer Website.

Eyetracking

Die Messung des Blickverlaufs, das sogenannte Eyetracking, kommt vor allem bei der Evaluation interaktiver Anwendungen und Produkte sowie mobiler Anwendungen zum Einsatz. Damit lässt sich herausfinden, welche Elemente einer Benutzeroberfläche in welcher Reihenfolge und wie lange ein Nutzer betrachtet. Die Eyetracking-Analyse kann mit anderen Usability-Tests kombiniert werden.

Fokusgruppe

Bei Usability-Tests mit einer Fokusgruppe handelt es sich um moderierte Gruppendiskussionen mit mehreren Teilnehmern. Diese geben, angeleitet von einem erfahrenen Moderator, Feedback oder äußern Wünsche zu bestimmten vorgegebenen Themen, etwa der grafischen Gestaltung einer Website. Damit lassen sich in unterschiedlichen Projektphasen Meinungen und Anforderungen einer Zielgruppe zu einer Website, einer Anwendung oder einem Produkt erheben.

Onsite-Befragung

Die Onsite-Befragung als Form der Online-Befragung ermöglicht es Website-Betreibern, echte Besucher, soziodemografische Daten, ihre Interessen, Anforderungen und Bedürfnisse besser kennenzulernen. Nutzer werden beim Besuch der Website per Pop-up oder Layer zur Teilnahme an der Befragung über ein entsprechendes Tool aufgefordert. Ebenfalls möglich ist es, über die Onsite-Befragung Feedback zu konkreten (neuen) Funktionen einzuholen. Mit den per Onsite-Befragung gewonnenen Daten können aber auch Personas erstellt werden.

Rapid Prototyping

Das Rapid Prototyping soll Website-Betreiber oder Produkthersteller schon in sehr frühen Phasen bei der Weiterentwicklung unterstützen. Testpersonen erhalten dabei Zugriff auf Prototypen von Webseiten, Anwendungen oder Produkten und erklären, wie sie diese benutzen würden. Nach jedem Test wird der entsprechende Prototyp anhand dieses Feedbacks optimiert und wieder zum Testen vorgelegt. Dabei können etwa verschiedene Konzepte getestet werden. Darüber hinaus wird schnell klar, welche Elemente einer Seite den Erwartungen der Nutzer entsprechen und ob sie verständlich genug gestaltet sind.

Usability-Test im Labor

Bei Usability-Tests im Labor lösen Testpersonen bestimmte Aufgaben – etwa einen Einkauf im Online-Shop. Deren Erledigung wird von Usability-Experten, die aktiv nachfragen können, überwacht. Die Testpersonen äußern ihre Empfindungen und Gedanken zur Nutzerfreundlichkeit der Seite oder Anwendung. Für die spätere Auswertung der Testergebnisse können Video- und Audioaufzeichnungen ebenso wie Eyetracking-Daten zur Verfügung gestellt werden.

4. Testergebnisse: Was sind Usability-Kennzahlen?

Aber wie lassen sich die Ergebnisse von Usability-Tests auswerten? Egal ob Redesign oder stetige Anpassungen von Websites oder Anwendungen – wer Usability-Tests erfolgreich umsetzen und auswerten will, sollte im Vorfeld Kennzahlen definieren, welche die Usability messbar machen. Diese Kennzahlen können quantitativer oder qualitativer Natur sein.

Beispiele für quantitative Usability-Kennzahlen:

  • Erfolgsrate bei den durchgeführten Aufgaben
  • Dauer für die Erledigung der Aufgaben
  • Nutzung der Suchfunktion versus Nutzung der Navigation
  • Fehlerrate, etwa beim Bezahlen per Kreditkarte
  • Skala für die Nutzbarkeit des Systems anhand einer Befragung

Beispiele für qualitative Usability-Kennzahlen:

  • Erwartungen und Performance
  • Allgemeine Zufriedenheit

Außerhalb der Testumgebung zählen auch Werte wie die Bounce- und Conversion-Rate, Besucherzahlen und Verweildauer sowie die Abbruchrate bei Online-Käufen zu den messbaren Kennzahlen, die Rückschlüsse auf die Bedienbarkeit einer Website und mögliche Optimierungen zulassen.

5. Vorgehen bei der Auswertung

Ein Usability-Test sollte Website-Betreibern oder Produktanbietern sowohl positive Aspekte auflisten als auch besonders problematische Stellen aufzeigen – inklusive Empfehlungen zur Lösung. Im Anschluss an die unterschiedlichen Tests diskutieren Testleiter und -Beobachter dazu einzelne Usability-Probleme und geben Vorschläge für die Weiterentwicklung des gesamten Produkts oder der Website.

Usability-Experten werten die Ergebnisse anhand der zuvor aufgestellten Usability-Kennzahlen und Aufgabenstellungen. Die Ergebnisse der Tests werden analysiert und in einem Bericht schriftlich zusammengefasst. Dazu werden mögliche Video- und Audioaufzeichnungen zur wiederholten Analyse bereitgestellt. Zentrale kritische Punkte können mit entsprechenden Testerzitaten, Heatmaps der Blickverläufe auf einer Website und Ausschnitten aus den Videos veranschaulicht werden. Im Anschluss werden Empfehlungen und Designvorlagen für eine Steigerung der Benutzerfreundlichkeit von Website oder Produkt geliefert.

6. Fazit

Der Erfolg von Webseiten, Online-Shops oder Anwendungen und Produkten hängt maßgeblich davon ab, wie nutzerfreundlich diese sind. Im E-Commerce-Bereich bringen etwa nur jene Nutzer Umsatz, die einen Bestellvorgang erfolgreich abschließen. Dazu sind Übersichtlichkeit und intuitive Bedienbarkeit sowie eine gewisse Ästhetik zwingend notwendig. Je mehr Hürden einem Nutzer beim Kaufprozess im Weg stehen, desto eher wird sich dieser enttäuscht und frustriert abwenden – die Abbrecherrate steigt, der Umsatz sinkt. „Don’t make the User think“ ist ein Ansatz von Steve Krug, der genaue diese Thematik nochmal kurz und präzise zusammenfasst.

Um Probleme bei der Nutzerfreundlichkeit zu beheben, stehen Websitebetreibern und Produktanbietern eine ganze Reihe von Usability-Testmethoden zur Verfügung. Diese Tests mit Usability-Experten und unabhängigen Nutzern dienen dazu, Schwachstellen zu identifizieren und mögliche Lösungen aufzuzeigen. Im Vorfeld werden bestimmte Usability-Kennzahlen und Aufgaben für die Tests entwickelt. Anhand der Aufzeichnungen (Video, Audio), Klickpfade oder Fragebögen können die Tests analysiert und Schlüsse daraus gezogen werden.

Hervorragende Usability steigert Umsatz und Gewinn

Wird die Usability unter Verwendung entsprechender Usability-Tests von der Idee der Website oder des Produkts über deren Entwicklung bis hin zum laufenden Betrieb stetig kritisch beleuchtet und verbessert, hat das spürbar positive Auswirkungen auf den Erfolg. Die Nutzer wissen gute Usability zu schätzen. Eine hervorragende User Experience kann neben Umsatz- und Gewinnsteigerungen, einer höheren Produktivität und Kostensenkungen zudem eine positive Abgrenzung von Mitbewerbern bringen.

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